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17.05.2022 — 19:00
Musée national d'histoire naturelle 25, rue Münster, Luxembourg-Grund
Lesung und Gespräch
Samuel Hamen: Quallen
Moderation: Patrick Michaely
In deutscher Sprache Eintritt frei
Reservierung erwünscht per Mail info@ipw.lu
oder telefonisch +352 49 04 43-1

Von den direkten Gezeiten über die küstennahe Kontinentalschelfzone, von der Oberfläche des offenen Meeres bis hinab in dessen tiefste, kaum erforschte Bereiche bringen sie mit ihren ungeheuer reizbaren, »wie Hirnmasse in Häute verwandelten Leibern« nicht nur das Wasser zum Leuchten: Quallen. Seit Menschengedenken entziehen sich die Medusen jeglicher Festschreibung. Sie winden und wandeln sich wie organisiertes Wasser in den sie umströmenden Wellen und lassen die Imagination Funken sprühen. Doch gleich, ob als Störfaktor oder Symbol des Digitalen und Immersiven, als gestalterische Idee des Art Déco, als rückgratloses Schreckbild, Alien des Meeres, queeres Wappentier oder alarmistisches Emblem eines radikalen Wandels, bei dem selbst Wissenschaftler:innen mitunter an ihre Grenzen stoßen – Quallen, so zeigt Samuel Hamen in diesem schillernden Portrait, zucken nicht mit Wimpern, sondern mit Tentakeln, die je nach Art schon bei flüchtigem Kontakt starke Verbrennungen verursachen können. Wer es dennoch wagt, ihren Schwebebewegungen zu folgen, dem offenbart sich ein Einblick in die früheste Erdgeschichte wie auch in alle erdenkbaren Zukünfte.


Samuel Hamen, 1988 geboren, lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Diekirch und Heidelberg. Sein erster Roman „V wéi wreckt, W wéi Vitess erschien 2018 bei Éditions Guy Binsfeld. Seine Literaturkritiken werden u. a. bei Deutschlandfunk und ZEIT Online veröffentlicht. Er wurde unter anderem mit dem Luxemburger Buchpreis 2020 sowie 2022 mit einem Stipendium der Roger-Willemsen-Stiftung ausgezeichnet.

Patrick Michaely ist der Direktor des Nationalmuseums für Naturgeschichte und ein “Büchernarr”. Er war Kurator mehrerer Ausstellungen wie “Marsupilami”, “Nimm dir… Zeit”, “Animal Champions”, “farbenfroh” und “UNexpected Treasures”.

Organisiert vom Institut Pierre Werner in Kooperation mit dem Musée national d’histoire naturelle